Was haben die Macher von Zombicide Black Plague und unsere lieben Milchbauern gemeinsam? Richtig, sie melken ihre Kühe, solange sie noch Milch geben. Doch während die Bauern aufgrund der vierfach zu hohen Produktion über niedrige Milchpreise klagen, bleiben die Preise im Brettspielbereich stabil – ja steigen sogar! – und das, obwohl es auch hier mittlerweile ein Überangebot an Zombicide-Versionen gibt.
Marketing ist eben alles. War das erste Zombicide noch eine Hommage an alte Zombiefilme und bediente ganz simpel jegliches Klischee, das die Hollywood-Produktionen jemals auf den Markt geschmissen haben, werden nun die restlichen Käuferscharen aus der Reserve gelockt, indem man den Schauplatz des blutigen Gemetzels ins finstere Mittelalter verlegt. Wäre es jetzt an der Zeit mal über eine Milch- öh Zombiequote nachzudenken? Oder rechtfertigt der Austausch der obligatorischen Bratpfanne gegen eine stinkende Ork-Armbrust eine neue Version mit x Erweiterungen? Boardgame Bandit hat knallhart recherchiert und bringt Licht ins dunkle Mittelalter.
Zombicide Black Plague Inlay
Material
Hier gibt es wohl die größten Unterschiede zum Basisspiel von anno dazumal: Grafisch und thematisch bewegen wir uns im besagten Mittelalter. Ergo keine Pumpgun und Kettensägen, sondern Pfeil und Bogen. Auch die Qualität hat sich insgesamt verbessert. Die Miniaturen sind detallierter, aus den dünnen Pappe-Tableaus wurden hochwertige (und sehr praktische, weil platzsparende) Kunststoff-Spielertableaus und selbst die Inlays samt Karton wurden überarbeitet. Man braucht jetzt nach dem Spiel nicht mehr zu überlegen, welche Miniatur wo hingehört, weil sich im Inneren des Kartons übersichtliche Grafiken befinden, die einem das Denken abnehmen. Man hat dazugelernt. Das Regelheft ist übrigens absolut eindeutig. Lediglich den Flavour-Text kann ich aufgrund der Schriftart kaum lesen, ist spieltechnisch gesehen allerdings auch nicht so wichtig. Die wenigen Unklarheiten werden in der ersten Errata/FAQ geklärt und können hier als PDF runtergeladen werden.
Zombicide Black Plague Spielertableau
Spielablauf
Für Diejenigen, die noch nie von Zombicide gehört – geschweigedenn es gespielt – haben, will ich die Regeln hier nochmal grob erklären. Das Spiel ist unterteilt in sogenannte Quests. Der modulare Spieplan zeigt mittelalterliche Gebäude und Straßen, und wird der Quest entsprechend aufgebaut. Dann gilt es die immer unterschiedlichen Siegbedingungen der Quest zu erfüllen. Meistens muss man irgendwelche Ziele finden, über einen bestimmten Ausgang entkommen, eine bestimmte Gefahrenstufe erreichen und und und. Nebenbei erscheinen dann natürlich immer jede Menge Zombies, die geplättet werden müssen und für die es dann Erfahrungspunkte=Gefahrenlevel gibt. Die Mechanik beruht auf einem Aktionspunktemechanismus. Anfangs hat man nur 3 Aktionen zur Verfügung, im Verlauf des Spiels kommen dann Aktionen hinzu. Wählen kann man aus folgenden Aktionen:
- Bewegen
- Angriff
- Raum durchsuchen
- Tür eintreten
- Gegenstand/Ziel aufnehmen
- Ausrüstung tauschen
- Lärm machen und Zombies anlocken
- nix tun
Jede Runde unterteilt sich in 2 Phasen:
- Spielerphase
- Zombiephase
In der Spielerphase führen die Spieler dann ihre Aktionen aus, durchsuchen Gebäude nach besseren Ausrüstungsgegenständen, plätten Zombies, steigen auf, bekommen zusätzliche Aktionen, tauschen ihre Waffen und Gegenstände, verursachen Lärm und locken so die Untoten an …
In der Zombiephase führen zunächst die Zombies ihre Aktionen aus (Bewegung und Angriff, wobei ein Angriff normalerweise einen automatischen Treffer generiert) . Anschließend erfolgt die Brutphase, in der neue Zombies auf den Plan treten. Je weiter das Spiel voranschreitet, desto mehr und stärker werden sie. Für gewöhnlich so viele, dass man sich fast überrannt fühlt. Hinzu kommt, dass die Minaturen im Spiel begrenzt sind. Stehen alle Miniaturen einer Art auf dem Spieplan (was gar nicht so selten passiert), bekommen diese Zombies eine Extra-Aktivierung.

Zombicide Black Plague Zombiehorden
Die Angriffe der Spieler werden ganz einfach über ihre Ausrüstungsgegenstände ausgetragen. Je nach Waffe (Zauber, Fernkampf oder Nahkampf) darf man einen oder mehrere Würfel werfen und eine Augenzahl x wird dabei als Erfolg/Treffer gewertet. Allerdings generiert nicht jede Waffe gleichviel Schaden. Einzelne Erfolge dürfen nicht als Schadenspunkte addiert werden. Das ist insofern wichtig, als dass man beispielsweise ein Monstrum mit 3 Lebenspunkten mit keiner gängigen Waffe erledigen kann (außer man ist Zwerg auf Gefahrenstufe ultralässig, wo man einen Schadenspunkt extra verursacht). Dazu braucht man dann schon Drachengalle samt Fackel, um die Biester ins Jenseits zu befördern. Ein altertümlicher Molotow-Cocktail sozusagen.
Unterschiede zum Original: Season 1
Die Unterschiede sind wirklich geringfügig:
- Totenbeschwörer produzieren neue Brutzonen auf dem Spielfeld und versuchen permanent den Spielplan zu verlassen. Schafft ein Totenbeschwörer dies und es liegen zu diesem Zeitpunkt 6 Brutplättchen auf dem Plan, verlieren die Überlebenden das Spiel automatisch
- Doppelbrutplättchen generieren noch mehr Zombies
- Fernkampf Treffer: Überlebende sind nicht mehr in der Prioritätenliste aufgezählt und werden nur bei Fehlwürfen getroffen
- Rüstungen
Fazit
Tja, was ist denn nun mit der Milch? Hochveredelt oder doch nur sauer? Mein Freund Hendrik antwortete mal auf die Frage, wozu man einen Thermomix für luschige 1200€ bräuchte: „Es geht ums Haben, nicht ums Brauchen!“. Ich denke, damit hat er den Nagel ziemlich auf den Kopf getroffen. Black Plague braucht man nicht notwendigerweise, wenn man Season 1 schon hat, aber es ist durchaus nett es zu haben.
Da wäre zum einen die Thematik, denn Mittelalter geht bekanntlich immer. Und vielleicht zieht das Dunkle Zeitalter tatsächlich auch die letzten Zombicide-Gegner hinterm Ofen hervor. Ich persönlich muss aber gestehen: während des Spiels ist es mir persönlich völlig wurscht, ob ich in einem alten Turm oder modernen Hochhausblock stehe. Da bin ich mit ganz anderen Sachen beschäftigt. Zombie-Massaker anrichten beispielsweise. Und als bekennender Fan von Filmen wie „Zombieland“ (#21 Sind Probleme am Start, hab ’n Ausweg parat! ) hatte die Bratpfanne schon fast etwas Anmutiges.
Zum anderen sind einige Änderungen ja durchaus sinnvoll, als da wären z.B. die Plaste-Spielertableaus, die nicht nur super stabil sind, sondern auch wirklich jede Menge Platz auf dem Tisch einsparen, was gerade für Solospieler deutlich die Übersichtlichkeit steigert. Oder der neue Totenbeschwörer, der mit seinen zusätzlichen Brutzonen nochmal ordentlich Zombies auf den Plan bringt. Die Doppel-Brutplättchen, die die Zombiehorden routieren lassen können. Und auch die kleine Regeländerung bezüglich der Treffer beim Fernkampf finde ich gelungen. Aber die kann man natürlich auch nutzen, wenn man Season 1 spielt. Zu guter letzt gefallen mir auch die Katakomben sehr gut, mit denen man schneller von A nach B gelangen kann.

Zombicide Black Plague Helden
Dafür fehlen im Mittelalter natürlich die Autos, mit denen ich immer gerne Zombies plattgefahren habe. Und auch die Tatsache, dass nicht nur Magier zaubern können, finde ich (thematisch gesehen) eher weniger gelungen. Ebenso den Umstand, dass es immer noch keine richtige Spielerzahl-Anpassung gibt. Man ist generell dazu gezwungen mit 6 Charakteren zu spielen. Zwar ist das durchaus machbar, weil das Spiel von der Mechanik her nicht allzu kompliziert ist, aber da wäre doch mit einer Anpassung der Zombie-Anzahl sicher was drin gewesen. Ich werde das mal mit einer Hausregel ausklüngeln.
Sieht man jetzt von diesen Unterschieden ab, bleibt Zombicide das, was bislang so viele Fans rund um den Globus begeistert hat: ein taktisch nicht allzu tiefgreifendes Spiel, das jedoch genügend Anspruch mit sich bringt, um einen Abend lang tiefsinnige Diskussionen darüber zu führen, wie man die Zombiehorden am besten vernichtet. Solo fehlen mir diese Diskussionen sogar ein wenig, aber dafür ist es auch etwas einfacher, die vielen Fähigkeiten zu überblicken und zu kombinieren. Etwas Würfelglück gehört natürlich auch dazu.
Zombicide Black Plague Zombieinvasion
Was sich leider auch nicht geändert hat, aber einem gerade als Solospieler sehr schnell auffällt, weil man die Quests ja doch schneller hintereinander wegspielen kann, ist das sich wiederholende Spielerlebnis. Irgendwie gleichen sich die 10 Quests dann doch, egal ob man einen Ausgang finden oder ein Ziel aufnehmen muss. Leider nutzt sich die anfängliche Euphorie dadurch sehr schnell ab, was ich auch schon bei Shadows of Brimstone bemängelt habe. Lediglich der Schwierigkeitsgrad ändert sich. Das fällt aber auch nur ins Gewicht, wenn man mehrere Quests direkt hintereinander spielt. Ich bin trotzdem gespannt, was die Wulfsburg-Erweiterung zum Spielgeschehen beiträgt.
8/10 Punkten
| Verlag | Cool Mini or Not | Alter | 10+ |
| Autor | Raphaël Guiton, Jean-Baptiste Lullien, Nicolas Raoult | Erscheinungsjahr | 2015 |
| Spieler | 1-6 | Komplexität | mittel – hoch |
| Dauer | ca. 60 – 90 Minuten (je nach Kampagne) | Glücksfaktor | mittel |
| Sprache | Deutsch |
