Legendary Marvel – Solo Test

Legendary Marvel Spielplan mit Karten

Legendary ist eine Serie von Deckbuilding-Spielen, die neben der Marvel - Ausgabe noch das Legendary Encounters: Alien Deckbuilding Game und Legendary Encounters: Predator Deckbuilding Game enthält. Thematisch hat man also ein wenig Auswahl. Mir fehlt eigentlich nur noch das DC-Pendant, weil Batman - und das entbehrt jeglicher Diskussion - nunmal um Längen cooler ist, als Tobey Maguire *hüstel

Aber Ironman macht das ja auch fast wieder wett.

Zurück zum Spiel: dieses feine Spielchen kann kooperativ oder auch solo gegen die Schurken gespielt werden. Dazu stehen uns die Superkräfte der bekanntesten MARVEL Superhelden zur Verfügung: Spiderman, Hawkeye, Ironman, Storm... und wie sie alle heißen.

Legendary Marvel Box und Inlay

Legendary Marvel Box und Inlay

Material

Das Material hat guten Deckbuilding-Standard und was mir ganz besonders gut gefällt, ist der riesige Spielplan.
Der deutschen Ausgabe des spieltechnisch sehr ähnlichen Thunderstone Advance lag damals nur so ein dünnes Labberposter bei, worüber ich mich sehr geärgert habe, da das englische Originalspiel von AEG ein ordentliches Spielbrett enthielt. Ein User auf BGG formulierte das so: "One of Pegasus' best jokes" -"Ein Witz von Pegasus"

Nun denn, diese Problematik gibt es hier nicht, denn der große Spielplan ist äußerst stabil. Die vielen verschiedenen Karten können sauber in den großen Kasten einsortiert werden; Kartentrenner liegen dem Spiel bei und können beschriftet werden. Dass man Karten von Deckbuildingspielen besser sleeven sollte, brauche ich wohl nicht extra anzumerken. Einziger Kritikpunkt ist die Texteinbindung auf den Grafiken: das hätte man irgendwie noch etwas deutlicher gestalten können. Manchmal muss man wirklich 2x hinsehen, um das Ganze gut lesen zu können (hier meine ich nur speziell die Überschriften, der Rest ist gut lesbar). Während des Spiels sind die Überschriften der Karten allerdings sowieso uninteressant.

Erwähnenswert wäre jetzt eigentlich nur noch, dass die Spielregel vergleichsweise simpel ist (fast so einfach wie bei Ascension: Rückkehr der Gefallenen). Mit Grundkenntnissen aus der Schule und 5-6 Begriffen im Wörterbuch nachschlagen, kommt man hier bestens zurecht. Der Spielablauf ist den (möglichen) Mitspielern dann in weniger als 5 Minuten erklärt.

Legendary Marvel Mastermind

Spielablauf

Da sich der Spielablauf zwischen Multiplayer und Solospiel nicht unterschiedet, werde ich nicht extra darauf eingehen. Lediglich das Set-Up ist ein wenig anders und wird im Anhang der Spielregel erklärt. Das sind wirklich nur minimale Unterschiede. Die auf dem Spielplan abgedruckte Set-Up Tabelle bestimmt, wieviele Helden-, Schurken- und Gefolgsmännerdecks in die jeweiligen Stapel zu einem Gesamtdeck gemischt werden. Dazu kommen dann, je nach gewähltem Abenteuer, ein paar Passanten-Karten, Master-Strike-Karten usw., die den Spielablauf an bestimmten Stellen beeinflussen.

Vom Heldendeck werden 5 Helden als offene Auslage ins Hauptquartier gelegt. Jeder Spieler bekommt ein Start-Deck aus 4 einfachen Trooper-Karten mit geringer Angriffsstärke und 8 Agenten-Karten mit geringem Rekrutierungswert, die gemischt und als Nachzugstapel beiseite gelegt werden. Von diesem Stapel zieht jeder Spiel 6 Karten auf die Hand.

Legendary Marvel Ironman

Legendary Marvel Ironman

• Rundenablauf

Die erste Karte des Schurkendecks wird aufgedeckt. Ist es ein Schurke, wird er auf die erste Stadtposition gelegt. In der Stadt gibt es insgesamt 5 Orte. Von Runde zu Runde müssen wir nun dort die Bösewichte bekämpfen, da sie ansonsten in der Stadt weiter voranrücken. Erreichen sie die Brücke, fliehen sie (möglicherweise mit herumstehenden Passanten), was wir naürlich verhindern wollen.

Legendary: Marvel wird generell um Siegpunkte gespielt. Entflohene Schurken bringen demnach Minuspunkte, während besiegte Schurken, Super-Gegner und gerettete Passanten Pluspunkte generieren. Ziel ist es, den Super-Gegner zu besiegen und am Ende die meisten Siegpunkte zu haben. Je nach Abenteuer gibt es aber auch noch andere Ziele und Siegbedingungen.

Zurück zum Schurkenstapel: ist die aufgedeckte Karte ein Passant, wird dieser von einem Schurken in der Stadt oder dem Super-Gegner gekidnappt. Dann gibt es noch Ereigniskarten. Je nach Abenteuer geschehen unterschiedliche Dinge, wenn so eine Karte gezogen wird. Beispielsweise könnte bei der dritten gezogenen Ereigniskarte ein Held KO geschlagen werden. Zum Schluss wären da noch die sogenannten Master-Strike Karten. Jeder Super-Gegner hat solch einen Master-Strike Effekt, der abgehandelt wird, sobald die Karte ins Spiel kommt.

Ist der Schurkenstapel abgehandelt, kommt der eigentliche Spielerzug. Nun darf ich meine 6 Handkarten nacheinander ausspielen. Im Spiel gibt es 2 Ressourcen: Angriffsstärke und Rekrutierungswert. Mit dem Rekrutierungswert bezahle ich quasi neue Helden, die ich mir dann aus dem HQ hole und auf meinen Ablagestapel lege. Von dort gelangen sie später wieder ins Spiel, sobald der Stapel gemischt wird. Mit der Angriffsstärke der einzelnen Helden bekämpfe ich die Schurken in der Stadt und den Super-Gegner. Natürlich gibt es nicht nur diese beiden Ressourcen, sondern auch gewisse Spezialfähigkeiten. Jeder Heldentyp hat da so seine eigene Stärke. Spiderman lässt mich beispielsweise sehr viele Karten von meinem Deck ziehen und besteht aus vielen günstigen Karten. So bekommt man immer viele Karten auf die Hand und insgesamt eine hohe Angriffstärke oder hohe Rekrutierungswerte.

Je nachdem wie man seine Decks dann aufbaut, kann man unterschiedliche Strategien fahren. Wenig Helden mit hohen Werten, viele Helden mit niedrigen Werten usw. Natürlich gibt es einige KO-Konstellationen, bei denen der Gegner kaum eine Chance hat. Deswegen sollte man, sobald man etwas erfahrener ist, durchaus mal die Heldendecks zufällig zusammenstellen.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass Helden natürlich auch über ganz besondere Super-Power-Fähigkeiten verfügen. Jeder Held ist einer bestimmten Gruppe oder auch Heldenklasse zugeordnet, teilweise auch beidem. Da gibt es z.B. die Avengers, X-Men, besonders starke Helden, die Technik-Freaks, Helden mit hoher Reichweite...

Habe ich nun in meinem Zug bereits einen Helden des Typs Avengers ausgespielt und spiele anschließend eine zweite Avengers-Karte, kann ich so möglicherweise eine Super-Power-Fähigkeit freischalten, die mir dann nochmal besondere Boni gewährt.

Legendary Marvel Schurken

Legendary Marvel Schurken

Fazit

boardgame bandit avatar rundSo, was bleibt abschließend zu sagen? Legendary Marvel ist - ganz kurz zusammengefasst - eine Mischung aus Ascension: Rückkehr der Gefallenen und Thunderstone Advance. Es ist so einsteigerfreundlich wie Ascension, hat aber 1. die wesentlich coolere Grafik und 2. etwas mehr Spieltiefe. Ok, um die Regeln von Ascension zu erklären braucht man 3 Minuten, für Legendary Marvel 5 Minuten...

Thunderstone Advance dagegen ist zwar nicht wesentlich komplexer, aber trotzdem nicht ganz so einsteigerfreundlich. Der größte Unterschied besteht allerdings darin, dass man sowohl bei Ascension, als auch bei Legendary Marvel, eine etwas andere Spielmechanik hat. Bei diesen beiden Spielen kann man nämlich in seinem eigenen Spielzug immer alls gleichzeitig machen, also Rekrutieren (Ausrüsten/Einkaufen) UND Kämpfen. Bei Thunderstone Advance muss man sich entschieden, ob man ins Dorf will um sich auszurüsten, oder lieber in den Dungeon geht und kämpft.
Allen drei Spielen gemeinsam ist, dass man - ganz im Gegensatz zum Herr der Ringe LCG - eher locker fröhlich vor sich hinspielt, ohne dass wirklicher Druck aufkommt. Das ist für mich als Vielspieler auch der Punkt, der die Höchstnote vereitelt. Als erfahrener Hase weiss man bei diesen Spielen normalerweise ziemlich schnell, mit welcher Taktik man welche Decks fahren muss. Deswegen sollte man zumindest auch mit zufälligen Decks spielen, sonst ist es zu einfach. Das wesentlich komplexere HdR LCG bietet von allem im Grunde einfach nur wesentlich mehr: mehr Variablen, mehr Zeitdruck, mehr Grübeln und viiiel mehr Story hinterm Spiel. Spielmechanisch baut man sich die Decks dann halt vor dem eigentlich Spiel zusammen.

Man muss sich an diesem Punkt einfach entscheiden, was man möchte: Bin ich ein Spieler mit vllt. wenig Zeit (Kind, Kegel und Karriere), der abends nur mal eben eine lockere Runde spielen will, oder möchte ich mich eher langfristig mit einem thematisch sehr tiefen Spiel auseinandersetzen? Als Vielspieler hat man meistens beides im Schrank...
Legendary: Marvel ist ein wirklich gutes Spiel, das ich jedem empfehle, sofern er die klitze-kleine Sprachbarriere überwinden kann. Andere Spieler berichteten mir außerdem, dass die Erweiterungen nochmal andere, abwechslungsreiche Spielmechaniken in das Geschehen bringen, die das Spiel insgesamt interessanter machen. Ich selbst habe leider noch keine der Erweiterungen gespielt und kann deshalb nichts dazu sagen.

Zu guter Letzt möchte ich jetzt nur noch darauf hinweisen, dass die Marvel-Thematik herrlich frisch und unverbraucht ist. Endlich mal was anderes, als Mittelalter, Bauernhöfe, Sci-Fi und Fantasy. Allein deswegen sollte man das Spiel schon kaufen, wäre da nicht der hohe Preis für Lizenzprodukte. Rechnet man den Spielspaß jedoch auf die Gesamt-Spielzeit hoch, macht man auch mit Lizenzpreis noch ein gutes Geschäft.

8/10 Punkten

Verlag Upper Deck Entertainment Alter 14+
Autor Devin Low Erscheinungsjahr 2012
Spieler 1-5 Komplexität mittel
Dauer 45 Minuten Glücksfaktor mittel
Sprache Englisch

1 Antwort

  1. Hi, tolle Seite. Mein Favorit im Moment ist Legendary in der Alienversion. Viel Atmo und Spannung wie in den Filmen. Wenn man mit je einer Startkarte mehr und statt 6 mit 5 Handkarten spielt ist es solo (und auch zu zweit) brutal schwer. Das trägt aber enorm zum Wiederspielwert bei. Gefällt mir besser als Marvel.

    Schöne Grüsse
    Ralf

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