Le Fantôme de l’Opéra – Test

Phantom der Oper Spielaufbau

Phantom der Oper Spielaufbau

Es gibt so Tage im Leben, da ärgere ich mich ein wenig über mich selbst, weil ich in der siebten Klasse nicht doch Französisch als Fremdsprache gewählt habe. Auch wenn der Latein-Unterricht mit Herrn Seibt (schöne Grüße an dieser Stelle von der geistigen Fußtruppe) doch meistens recht unterhaltsam war - so richtig weitergebracht hat mich das ewige Deklinieren und Konjugieren nicht. Doch wer konnte damals auch schon ahnen, dass ich mal eine Laufbahn als Spiele-Rezensent einschlage, statt Frau Professor Doktor zu werden. Nun denn - heute ist mal wieder so ein Tag an dem ich mich ärgere, weil ich satte fünf Minuten länger gebraucht habe, um dieses Spiel in der Datenbank zu finden. Was hätte man in dieser Zeit alles erledigen können! Unter "Phantom der Oper" läuft der Titel jedenfalls nicht und den Text kann ich weder aussprechen noch lesen. Ganz zu schweigen von diesen vermalledeiten Akzentzeichen, die sich nochmal wo genau auf der Tastatur befinden? Gott sei Dank hat der liebe Herrgott copy & paste erfunden. Wollen wir also hoffen, dass derjenige, der das Spiel in die Datenbank eingetragen hat, etwas mehr von der Sprache versteht als ich und ich jetzt nicht irgendwas Schweinisches kopiert habe. Kommt ja nicht selten vor ...

Material

Hier wird aus recht wenig Material eine ganze Menge Knobelei rausgeholt. Doch das was in der Schachtel ist, kann man durchaus als überdurchschnittlich stabil bezeichnen. So große, dicke Pappe kriegt man ansonsten eher selten. Dazu kommen noch dicke Holzscheiben, ein paar Aufkleber und ein großer Spielplan, dessen Grafik mich zwar nicht vom Hocker reisst, aber spieltechnisch in Ordnung ist. Das Regelheft beinhaltet gleich vier Sprachen, so dass selbst die Nachbarn mit den vielen Wohnmobilen ordentlich deduktieren können.

Phantom der Oper Räume

Phantom der Oper Räume

Spielablauf

Herrlichst simpel! In der Oper geht das berühmte Phantom um. Nun will die gute Sängerin aber in Ruhe ihr Liedchen trällern und nicht permanent durch einen Maskenmann vom Karneval in Venedig gestört werden. Doch wer ist der verkleidete Scharlatan? Unter Verdacht stehen acht Personen, repräsentiert durch die Holzscheiben, die auf dem Spielbrett liegen. Das Spielbrett zeigt die verschiedenen Räume der Oper, die durch Türen und Geheimgänge miteinander verbunden sind, und eine Furchtleiste. Alle Personen haben eine "verdächtig"-Seite und eine "unverdächtig"-Seite. Zu Beginn sind natürlich alle verdächtig. Außerdem gibt es für jede Person eine dieser stabilen Pappkarten, auf denen ihre Spezialfähigkeit abgedruckt ist. So kann beispielsweise die Hausmeisterin sämtliche Türen aufschließen, während die Dame in Rosa Geheimgänge nutzen kann.

Phantom der Oper Rollenkarten

Phantom der Oper Rollenkarten

Ein Spieler spielt nun das Phantom, der andere Spieler gibt den Ermittler. Nur das Phantom kennt seine wahre Identität, die der Ermittler herausfinden muss. Eine Runde gliedert sich immer in einen festen Ablauf:

  • die acht Personenkarten mischen
  • vier Personenkarten aufdecken
  • in der roten Hälfte der Runde fängt der Ermittler an, in der blauen Hälfte das Phantom
  • Ermittler und Phantom wählen aus den vier offenliegenden Karten eine Person aus, bewegen sie und führen (obligatorisch oder optional) ihre Spezialfähigkeit aus
  • nach vier Personen muss das Phantom ansagen, ob es sich bemerkbar machen kann oder nicht
  • eventuell Personenmarker umdrehen auf "unverdächtig"
  • die Opersängerin auf der Furchtleiste weiter Richtung Ausgang versetzen (gemäß der Anzahl noch verbliebener Verdächtiger)
  • die nächsten vier Personenkarten aufdecken und weitermachen
Phantom der Oper Rundenübersicht

Phantom der Oper Rundenübersicht

Das Phantom kann sich bemerkbar machen, wenn es sich entweder ALLEIN in einem erleuchteten Raum (alle Räume ohne Stromausfallmarker) befindet oder aber in dem Raum MIT Stromausfallmarker befindet, unabhängig von der Personenzahl. Das heißt im Umkehrschluss, dass alle Personen unverdächtig sind, die sich in einem solchen Fall mit zwei oder mehr Personen in einem erleuchteten Raum befinden. Deren Spielmarker können dann auf die unverdächtige Seite gedreht werden. Außerdem wird der Marker der Opernsängering auf der Furchtleiste ein zusätzliches Feld Richtung Ausgang versetzt.

Phantom der Oper Stromausfall

Phantom der Oper Stromausfall

Kann sich das Phantom NICHT bemerkbar machen, weil es mit mehreren Personen in einem erleuchteten Raum steht, können alle Personenmarker im Raum mit dem Stromausfallmarker sowie alleinstehende Personen in einem erleuchteten Raum aus dem Kreis der Verdächtigen ausgeschlossen werden.

Der Witz an der Sache ist also, dass beide Spieler versuchen müssen, die Personenmarker und ihre Fähigkeiten so einzusetzen und zu bewegen, dass für ihre eigenen Interessen möglichst wenig bzw. viele Informationen preisgegeben werden.

Ziel des Ermittlers ist es, das Phantom per Ausschlussverfahren zu entlarven, bevor die Opern-Diva fluchtartig das Weite sucht. Anderenfalls gewinnt das Phantom.

Fazit

Wer bis hierhin mitgelesen hat (ein Schelm wer Böses denkt), hat es bestimmt schon gemerkt: das ist doch Mr Jack! Jawoll, ganz genau so ist es. Habe ich persönlich aber auch erst gemerkt, als ich die Regeln gelernt habe. Hätte man vielleicht auch sehen können, wenn man sich das Cover der Schachtel etwas genauer angeschaut hätte. Hättste, hättste, hättste ... Nachdem der gute Mr Jack auch New York in die Tasche gesteckt hatte, war es dem Hurrican Verein wohl zu teuer, ihn jetzt auch noch nach Honululu reisen zu lassen. Der Ripper im Baströckchen sähe aber auch nicht mehr ganz so elegant aus.

Der einzige Unterschied zu den anderen Mr Jack-Spielen ist im Prinzip das Spielfeld. In der Oper gibt es wesentlich weniger Felder/Räume als auf den Straßen Londons oder New Yorks. Dafür hat man aber auch als Ermittler wesentlich weniger Zeit das Phantom zu finden. Ich will deshalb nicht behaupten, dass eines der Spiele besser oder schlechter ist. Le Fantôme de l'Opéra ist vielleicht etwas einsteigerfreundlicher und schneller. Hat alles Vor- und Nachteile. Ich glaube aber nicht, dass man unbedingt alle Spiele der Reihe braucht. Eine Version reicht völlig aus.

Wer noch gar kein Spiel der Mr Jack-Reihe kennt, der kann hier sowieso bedenkenlos zugreifen. Meiner Meinung nach ein tolles Spiel für zwei Personen mit einfachen Regeln und wenig Material, das schnell gespielt ist und trotzdem die grauen Zellen fordert. Ideal auch als Aufwärmer oder Absacker.

7/10 Punkten

Verlag Hurrican Alter 9+
Autor Bruno Cathala, Ludovic Maublanc Erscheinungsjahr 2013
Spieler 2 Komplexität einfach
Dauer 30 Minuten Glücksfaktor gering
Sprache Deutsch

 

2 Antworten

  1. Harry

    Schön irgendwo auch noch solche Rezensionen abseits der Buzzspiele zu lesen, die es an jeder Ecke gibt…Daumen hoch! Lang lebe der Brettspielfeed 🙂

    Beste Grüße,
    Harry

  2. Vielen Dank Harry, wir geben unser Bestes!

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