Gads Hill 1874 – Test

Gads Hill, anno 1874. Einst eine blühende Westernstadt, heute nur noch eine traurige Ruine des einstigen Lebens - irgendwo in der Wüste. Bekannt geworden ist Gads Hill durch den berühmten Eisenbahnraub der berüchtigten James Younger-Bande. Heute, 140 Jahre später, erinnert nur noch ein schlichtes Schild an die grausige Tat. Zusammen mit unseren Kollegen erforschen wir die Geisterstadt und versuchen zu rekonstruieren, wo einst welches Gebäude gestanden hat. Gads Hill 1874 ist die Neuauflage von Old Town und zudem die Mehrspielervariante von Old Town Solo (die Solo-Version werde ich nochmal nachreichen), kommt in einem moderneren Gewand daher und bietet ein völlig anderes Spielgefühl, abseits des üblichen Einheitsbreis.

Es handelt sich um eine Art Logikspiel, beruhend auf dem Ausschlussverfahren, das man auch aus Logikspielen oder Rätseln wie Greenrock Village: Tatort Theater kennt. Ich war ehrlich gesagt etwas skeptisch, wie das Ganze mit mehreren Spielern funktionieren soll, da ich diesen Mechanismus so nur aus Solospielen kenne. Tatsächlich funktioniert das aber erstaunlich gut, denn es gibt, anders als in den Logikrätseln, nicht nur eine richtige "Lösung". Der Stadtplan von Gads Hill passt sich von Partie zu Partie dynamisch an. Ich muss sagen: das ist schon ein klein wenig genial ausgedacht.

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Gads Hill

gads-hill-bezirkskarteDer Spielplan zeigt erstmal nur eine leere Stadt mit drei bereits platzierten Gebäuden und die Eisenbahnstrecke, die zum Gebäudezählen benutzt wird. Zum Spiel gehören außerdem eine Menge Gebäudeplättchen (jedem Spieler gehören zu Beginn des Spiels bereits Gebäude; wichtig zum Verständnis der Kartentexte) samt jeweils fünf doppelseitigen, dazugehörigen Markern. Die Gebäudemarker dienen gleichzeitig als Siegpunkte. Kernelement des Spiels sind die Karten, die in drei Kategorien eingeordnet werden können: Gebäudekarten, Bezirkskarten und Bedingungskarten.

Diese Karten geben Hinweise, wo welches Gebäude mal gestanden haben könnte. Einige geben vier mögliche Standorte vor, andere sogar bis zu acht Standorte. Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Gebäude einwandfrei einem Standort zuzuordnen und dafür Siegpunkte zu kassieren. Das Interessante ist jetzt, wie die verschiedenen Kartenarten eingesetzt werden, um den Standort eines Gebäudes zu definieren.

Das Rekonstruieren im Detail

Nehmen wir mal an, ich spielte eine rote Gebäudekarte aus, die besagt, dass das Casino in der Piedmont Street gelegen haben soll. Das wären vier mögliche Standorte. Die Karte selbst hilft uns übrigens dabei, die richtigen Standorte zu bestimmen. Dann nehme ich die fünf Gebäudemarker "Casino" an mich, lege vier davon auf die genannten Standorte und behalte den Letzten als Siegpunkt. Auf jedem Standort dürfen maximal drei verschiedene Marker liegen.

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Habe ich eine Karte auf der Hand, die mehr als fünf Standorte definiert oder die einen Standort betrifft, der bereits von drei Markern belegt ist, kann ich die Karte erstmal nicht spielen. Gegen Ende des Spiels werden diese Karten aber umso wertvoller, weil man mit ihnen sehr viele Siegpunkte auf einmal holen kann.

Immer wenn man ein Gebäude näher definieren kann (beispielsweise weil eine Karte besagt, dass das oben genannte Casino außerdem neben "meinem Gebäude" (=Undertaker) liegt und so einige andere markierte Felder ausgeschlossen werden können), nimmt man nämlich die bereits auf dem Spielplan liegenden Marker wieder runter (Siegpunkte). Im unteren Beispiel habe ich das Gebäudeplättchen des Undertakers zu Anschauungszwecken bereits gelegt. Normalerweise würden dort Undertaker-Marker und nicht das Gebäudeplättchen liegen, denn nur noch nicht platzierte Gebäude im Spielerbereich können einem Spieler gehören (siehe Kartentext).

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Coole Kombos

Ein Gebäude wurde genau bestimmt, wenn auf dem gesamten Spielplan nur noch ein einziger Marker zu einem Gebäudetyp liegt. Im Beispiel oben bliebe für das Casino nur der zweite Standort von rechts in der Piedmont Street übrig, da nur dieser Standort auch gleichzeitig neben dem Undertaker liegt. Der aktive Spieler nimmt dann den letzten Marker als weiteren Siegpunkt an sich und legt stattdessen das Gebäudeplättchen des Casinos darauf. So sind mit einer einzigen gespielten Karte übrigens auch Kombinationen möglich, die beispielsweise gleich drei Gebäude gleichzeitig bestimmen.

Die Formel zum Glück

boardgame bandit avatar rundDas Besondere an Gads Hill 1874 ist in meinen Augen der Umstand, dass man diese Art Logikspiele nun auch mit mehreren Personen spielen kann. Allerdings ist das Mehrpersonenspiel etwas glückslastiger als die Solo-Variante. Es gibt eben nicht nur eine einzige Lösung. Und dann kommt es halt manchmal darauf an, wie mir das Kartenglück hold ist. Trotzdem macht es mir persönlich unheimlich Spaß, die Gebäudestandorte zu bestimmen oder Karten zurückzuhalten, nur um dann im nächsten Spielzug gleich mehrere Siegpunktmarker vom Brett zu nehmen. Es spielt sich insgesamt etwas lockerer als die Solo-Variante, die mitunter ein echter Hirnverzwirbler sein kann.

Der Einstieg in das Spiel ist eventuell etwas tricky. Ich habe bereits von mehreren Spielern gehört, dass sie das Spiel nicht verstanden haben. Das liegt meines Erachtens aber nicht an der Spielanleitung. Ich würde das an dieser Stelle eher mit einer Matheaufgabe vergleichen wollen. Nicht dass man hier rechnen müsste, aber man muss den "Rechenweg" verstanden haben. Hat man das einmal kapiert, ist es ganz einfach. Ich würde daher dringend dazu raten, das Spiel vor der ersten Partie mit den Freunden einmal aufzubauen und allein durchzuspielen. Denn selbst wenn man das Spiel beherrscht, ist es manchmal nicht ganz einfach, das Prinzip seinen Mitspielern zu erklären. Das Spiel funktioniert übrigens in allen Besetzungen gleich gut.

8/10 Punkten

Verlag Clicker-Spiele Alter 10+
Autor Stephan Riedel Erscheinungsjahr 2016
Spieler 2-4 Komplexität mittel
Dauer 45-60 Minuten Glücksfaktor mittel
Sprache Deutsch

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