Escape Room – Test

Normalerweise ist Lucky Jen ja der kluge Kopf bei uns, der für Problemlösungen aller Art zuständig ist. Wenn Lucky Jen mich um 21 Uhr abends vom Sofa klingelt, weil sie ein Problem hat, dann kann ich mir daher sicher sein, dass ich die nächsten Stunden garantiert kein Auge zu kriege. So geschehen vor wenigen Wochen, als der KOSMOS-Verlag sein EXIT-Online-Spiel zwecks Promotion der EXIT-Games-Reihe online stellte, inklusive Gewinnspiel. Lucky Jen erklärte mir per Smartphone grob den Sachverhalt und dann rätselten wir um die Wette, damit Jen auf der Messe in den Escape-Room konnte. Was tut man nicht alles. An jenem Abend konnten wir das letzte Rätsel leider nicht lösen und so setzte sich Chefin in den frühen Morgenstunden nochmal an den Rechner und schaute sich das ganze Dingen selbst an.

Es hat dann zugegeben noch ein wenig gedauert, aber irgendwann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren. Stolz wie Oscar präsentierte ich Lucky Jen die Lösung und ergötzte mich ein paar Stunden daran, dass ich wenigstens ein Mal im Leben etwas cleverer als die personifizierte Brockhausreihe der Spielanleitungen war. Für Escape-Room-Messe-Karten hat es dann letztendlich leider nicht gereicht, aber Gott sei Dank kann man die Spielreihe auch im Handel kaufen. Dummerweise gab es Lieferverzögerungen und so schauten wir uns erst mal nach ähnlichen Spielen um.  So landete Escape Room (nicht zu verwechseln mit Escape "the" Room von Thinkfun) bei uns auf dem Tisch.

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Escape Room Material

Material

Enthalten sind im teuersten Ableger aller Spiele dieses Genres gleich 4 Fälle unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades, sowie ein Decoder. Das ist so ein großer, batteriebetriebener Plastikeumel, in den man verschiedene Schlüssel in der richtigen Reihenfolge einstöpseln muss, damit die Fanfare des Ruhmes erschallt. Pro Fall sollten es drei richtige Schlüsselcodes sein. In den Umschlägen zu den Fällen befinden sich dann verschiedene Rätseltypen, mit denen man versucht die Codes zu knacken. Anders als bei der EXIT-Reihe von KOSMOS, ist das Verbrauchsmaterial reproduzierbar, indem man sich die entsprechenden Sachen nachdrucken kann. So kann man das Spiel nach dem Lösen der 4 Fälle zumindest noch an Freunde weiterreichen und der hohe Preis schmerzt nicht gar so sehr.

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Escape Room Fall 2: Nuclear Countdown

Spielablauf

Die Fälle befinden sich wie gesagt in Umschlägen. Pro Fall gibt es davon mehrere, die man immer nacheinander, sobald man einen Code geknackt hat, öffnen muss. Zu Beginn wird die jeweilige Story zu dem Fall vorgelesen. Dann schaltet man den Decoder ein und die Uhr läuft von 60 Minuten runter. Solange hat man pro Fall Zeit, die Codes zu knacken. Alle 5 Minuten gibt es ein Signal: Dann darf man eine Hinweiskarte nehmen, die den Spielern hilfreiche Tipps gibt, falls man die braucht. Alle Spieler greifen nun nach den Materialien und versuchen die vielen Rätsel zu lösen. Sie bestehen aus verschiedenen Rätseltypen, die allgemein bekannt sind und keinerlei Vorkenntnisse erwarten. Man muss also beispielsweise für den Virusfall kein Chemiestudium besitzen, um gewinnen zu können.

Wichtig ist es nur miteinander zu kommunizieren und im Team zu arbeiten, weil die Rätsel alle irgendwie zusammenhängen. Sobald man meint den richtigen Code zu kennen, steckt man die Schlüssel in der richtigen Reihenfolge in den Decoder. Entweder kommt jetzt das ZONK-Signal oder die Fanfare der Glückseligkeit ertönt. War der Code falsch, wird jeweils eine Minute Strafe abgezogen und man kann weiterrätseln.

Fall 1: Ausbruch aus dem Gefängnis  - einfach

Fall 2: Virus - einfach

Fall 3: Nuklearer Countdown - mittelschwer

Fall 4: Aztekentempel - schwer

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Escape Room Chrono Decoder

Fazit

boardgame bandit avatar rundWer keinen Spaß am Rätseln hat, kann an dieser Stelle ruhigen Gewissens aussteigen. Man könnte das Spiel auch mit einer Art Rätselheft vergleichen, die es für wenig Geld in jedem Supermarkt zu kaufen gibt, nur dass man hier die Rätsel in eine Story eingebaut hat. Streng genommen also auch solo spielbar. Allerdings steht man durch den Decoder unter Zeitdruck und da wird es solo einfach eng. Wir haben alle Fälle zu dritt gelöst und fanden diese Spielerzahl recht angenehm, weil wir das Rätselmaterial untereinander aufteilen konnten, ohne uns dabei großartig in die Quere zu kommen. Zu fünft sehe ich dahingehend auch ein Problem, weil dann möglicherweise einige Spieler eher zum Zuschauer degradiert werden. Die ist aber nur ein Einschätzung, ohne es tatsächlich ausprobiert zu haben.

Das Material ist teilweise sehr klein und nicht immer klappt es dann mit dem über-die-Schulter-gucken. Vieles muss auch gedreht und gewendet oder auch anderweitig "verarbeitet" werden, so dass man die Sachen einfach in die Hand nehmen muss. Trotzdem konnten wir uns zu dritt gut ergänzen, weil wir alle in etwa auf demselben Level sind. Spielen jetzt beispielsweise Spieler unterschiedlichen Alters zusammen oder sind die Spieler "kognitiv zu unterschiedlich strukturiert", kommt es ebenfalls zum Zuschauer-Problem. Letzten Endes wird der Spielspaß aber immer davon abhängen, wie gut man in solchen Rätseln generell ist. Sind sie zu einfach, ist es öde, sind sie zu schwer, ist man leicht frustriert. Ich persönlich fand die ersten beiden Rätsel angenehm, der dritte Fall war schon etwas knackiger (aber machbar, wir haben uns nur zum Schluss hin ein wenig verheddert) und beim vierten Fall war ich zum Ende hin tatsächlich raus. Auf des Rätsels Lösung wäre ich nichtmal ohne Zeitdruck gekommen und das allerletzte Rätsel fand ich dazu noch etwas an den Haaren herbeigezogen.

Zusammengefasst würde ich Escape Room deshalb 7 Punkte geben, weil mir dieses Genre an sich Spaß macht und ich jederzeit für diese Art Spaß zu haben bin. Das große Aha-Erlebnis meiner ersten T.I.M.E. Stories-Partie wollte sich aber trotz Erfolg nicht einstellen und deshalb blieb es bei einem kurzen Jubler nach der jeweiligen Fanfare. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es nicht vielleicht für mich persönlich noch spannender gewesen wäre, wenn man den Decoder weggelassen und die Rätsel stattdessen in Ruhe hätte lösen können. Mich persönlich hat der Zeitdruck eher frustriert. Meine Mitspieler sahen das allerdings anders und fanden, dass gerade der Zeitdruck den Kick ausmachte. Während des letzten Rätsel fing übrigens unser Decoder an zu spinnen und machte schon "Musik", nachdem man den dritten Schlüssel eingesetzt hatte (statt erst nach dem vierten Schlüssel). Könnte aber ein Einzelproblem unseres Decoders gewesen sein.

7/10 Punkten


Fazit Deputy

Deputy Dice rundAls verbrechesbekämpfender Deputy bin ich ja oftmals rätselhaften Dingen auf der Spur, aber dieses neue Rätselspiel Escape Room hat es wirklich in sich. Durch den steigenden Schwierigkeitsgrad der Fälle und den wechselnden Themen kommt beim Rätseln und Lösen der Fälle keine Langeweile auf und der ablaufende Timer des Chronodecoders erhöht nicht nur den Druck, sondern auch die Spannung. Was ich hier ebenfalls gut finde: das Material, welches hin und wieder unter der Behandlung der Spieler leidet, kann auf dem heimischen Drucker nachproduziert werden. Trotz des nicht ganz günstigen Preises und auch wenn jetzt nur vier Fälle dem Spiel beiliegen, lohnt sich die Anschaffung. Ich hoffe, es werden in Zukunft noch einige Fälle als „Erweiterungen“ nachgereicht, und ich glaube auch, dass der ein oder andere Fall auch von begeisterten Spielern zu erwarten sein dürfte. Ein wirklich gelungenes Spiel für Menschen die gerne Grübeln, Diskutieren und ihren Hirnschmalz in Wallung bringen möchten.

8/10 Punkten


Fazit Lucky Jen

jenny rundWas war ich doch begeistert nach den ersten beiden Rätseln der Box! Ich wollte unbedingt weiterspielen, musste mich aber dann doch bis zum nächsten Termin gedulden. Es ist natürlich schwierig euch zu erklären, warum Escape Room Spaß macht, wo ich doch keine Details nennen darf. Nur so viel: Glaubt mir …

Das dritte Szenario Nuclear Countdown gefiel mir thematisch nicht ganz so, allerdings hat es doch ein paar knackige Aufgaben parat, die durchaus innovativ zu lösen sind. Man muss allerdings sehr darauf aufpassen, sich nicht gegenseitig durcheinander zu bringen. Der Zeitdruck hat es echt in sich. Umso ärgerlicher, dass wir nur knapp außerhalb der Zeit lagen am Ende.

Das vierte Szenario Temple of the Aztec ist thematisch der spannendste und optisch am besten umgesetzte Teil der Grundbox. Allerdings fand ich es mit 4/5 Schwierigkeitspunkten sehr knackig. Der Lösungsweg war für mich selbst anhand des Walkthrough nur schwer nachvollziehbar. Von allein wäre ich niemals im Leben auf den dritten Code gekommen. Das finde ich dann doch sehr ärgerlich. Schwierig darf es ruhig sein, aber es muss verständlich bleiben.

7/10 Punkten

Verlag Noris-Spiele Alter 16+
Autor Andrea Hofbeck Erscheinungsjahr 2016
Spieler 2-5 Schwierigkeitsgrad einfach-schwer
Dauer 60 Minuten Glücksfaktor nicht vorhanden
Sprache Deutsch

 

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